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Reisebericht England

 Im Vorgarten der Queen
Milde 25 Grad wehen uns entgegen, als uns der Eurotunnel bei Folkstone wieder ausspuckt. Wir cruisen zunächst gemütlich entlang des Ärmelkanals in westlicher Richtung. Links neben uns glitzert das Meer in seinem schönsten Blau.
Im malerischen Örtchen Rye versuchen wir, eine Bleibe zu finden. Da es jedoch Wochenende ist, gestaltet sich das Unterfangen als gar nicht so einfach. Erst beim sechsten Versuch finden wir in einem alten Pub aus dem 16. Jahrhundert, dem „Top of the Hill“ ein rustikales Zimmer.
Beim abendlichen Spaziergang durch die mittelalterliche „Mermaid Street“ fühlen wir uns in vergangene Zeiten zurückversetzt. In der nähe der alten Speicherhäuser am Hafen machen wir noch Bekanntschaft mit der britischen Bikerszene, hier findet allabendlich ein Treffen statt.
Am nächsten Morgen zieht es uns ins abgelegene Hinterland. Schmale kurvenreiche Sträßchen winden sich durch eine immergrüne Landschaft, die ab und zu von herausgeputzten kleinen Örtchen flankiert wird.
Bodiam Castle mit seinen Zinnen und Türmen über dem breiten Wassergraben ist eine Burg wie aus dem Märchenbuch. 1385 wurde sie von dem Glücksritter Sir Edward Dalyngigge gebaut und zeugt noch heute von dessen Reichtum. Nach wie vor scheiden sich die Geister, ob das Gebäude als Festung oder imposantes Wohnhaus gedacht war.

 Auf dem Weg in Richtung Küste durchfahren wir kleine idyllische Dörfer.
Amberley und Bury strahlen dabei mit ihren alten reetgedeckten Häuschen um die Wette. Einen Zeitsprung machen wir in Bignor. Es gibt dort, eine Römische Villa aus dem 1. bis 4. Jahrhundert zu besichtigen. Besonders sehenswert sind die freigelegten Mosaike, die erfolgreich restauriert wurden.
Wir erreichen noch rechtzeitig am späten Nachmittag den Hafen von Portsmouth. Die Fähre zur Isle of Wight verschlingt uns in wenigen Minuten und schon eine knappe Stunde später rollen wir hinaus auf die größte der Ärmelkanalinseln. Hinter dem Hauptort Newport hat das geschäftige Treiben ein Ende. Das dunkle Grün der Alleen führt uns zum westlichen Zipfel der Insel. Hier erleben wir dann noch einen traumhaften Sonnenuntergang am Strand der Freshwater Bay.

 Das Jahr 1066 war ein ganz besonderes in der englischen Geschichte.
Im kleinen Ort Battle besiegte damals der Normanne Wilhelm der Eroberer, die Angelsachsen unter König Harold. Audiovisuell werden uns die damaligen Ereignisse bei einem Rundgang über das Schlachtfeld nähergebracht. Am eindrucksvollsten sind jedoch 2 Laienschauspieler, die verkleidet als Angelsachse und Normanne ein Kettenhemd knüpfen.
Das bekannteste Wahrzeichen der South Downs ist der Chanctonbury Ring. Er besteht aus alten Buchen auf einer Hügelkuppe, der seit der Eisenzeit als Kultstätte genutzt wurden.
Die heftigen Winterstürme des Jahres 1987 haben die meisten Bäume im Innern des Rings umgerissen. Pferde und Hunde sollen sich angeblich weigern, den Hain zu betreten, und in dunklen Nächten will man Hufschlag gehört und die Silhouetten schwarzgekleideter Reiter auf schwarzen Rössern gesehen haben, begleitet von schwarzen Windhunden – Odin und seine Gefolgschaft auf der Jagd.


 Am nächsten Morgen starten wir bei tiefblauem Himmel zur Inselerkundung.
Mit 38 km² Fläche und 104 km Küste ist dies ein überschaubares Unternehmen. Die Straße entlang der Westküste gibt dabei immer wieder den Blick auf einsame Badebuchten frei. Auf den vorgelagerten Felsen sitzen riesige Kormorane, die sich von der anstrengenden Fischjagd erholen.
Die Ostküste begeistert uns mit ihren weißen Seebädern, an deren Promenade sogar Palmen gedeihen. Als Abschluss unserer Inselerkundung besuchen wir das Wahrzeichen der kleinsten Grafschaft Englands – The Needles. Schroff und steil ragt eine Reihe spitzer weißer Kreidefelsen aus dem glitzernden Meer heraus. Von Yarmouth mit seinem kleinen Yachthafen aus schippern wir dann zurück aufs britische Festland.
Eine einzigartige Landschaft empfängt uns bei unserer Ankunft. Schon Wilhelm der Eroberer ging hier zur Jagd. Der gab dem etwa 385 km² großen Gebiet um 1079 seinen Namen – damals war „Forest“ ein Rechtsbegriff, der den Wald dem Gemeinderecht entzog und dem König als Jagdrevier vorbehielt. Die ursprünglichen Eichenbestände wurden im Laufe der Zeit teilweise abgeholzt, aber im 19. Jahrhundert wieder aufgeforstet. Und so gibt es heute nirgendwo in ganz England ein Areal, das auf ähnliche Weise vermittelt, wie weite Teile des Landes im Mittelalter ausgesehen haben.

 Die Salisbury Cathedral ist von allen der höchste Sakralbau Englands mit 123 Metern.
Beim Rundgang durch den Dom spricht uns der Kaplan von Salisbury an, und ist begeistert, als er von unserer Motorradtour durch Südostengland erfährt.
10 km nördlich von Salisbury steht wohl Englands spektakulärstes Monument vorgeschichtlicher Baukunst - Stonehenge ! Vor 5000 Jahren wurden riesige Sandsteinblöcke aus Wales hierher gebracht, um dieses auf der Welt einzigartige Bauwerk zu schaffen. Über den Sinn und Zweck des Steinkreises rätseln die Wissenschaftler noch immer vergebens.
In Avebury, wo sich ein weiterer Zeuge prähistorischen Schaffens befindet, herrscht eine andere Atmosphäre. Steinkreise mit einem Durchmesser von 347 m durchschneiden das kleine Dorf. Und es scheint so, als wohnten die Erbauer noch immer mitten darin. Das Alter der Anlage wird auf ca. 4500 Jahre geschätzt.
Auf der Fahrt durch leuchtende Raps - und Weizenfelder fallen uns immer wieder breite Feldwege auf, die mit Doppelreihen weißgestrichener Pfosten auf die Straße zuführen. Erst später erkennen wir des Rätsels Lösung. Die britische Armee nutzt die gesamte Salisburyebene als Panzerübungsplatz. Die Pfosten sollen die in ihrer Sicht behinderten Panzerfahrer darauf aufmerksam machen, dass sie sich einer Straße nähern.

Das alte Winchester liegt mitten im Herzen der Grafschaft Hampshire und hat in der englischen Geschichte einen ganz besonderen Stellenwert. Winchester war die Hauptstadt der frühen englischen Könige. Heute krönt sogar eine Statue von König Alfred, dem einzigen englischen König mit dem Beinamen „der Große“, den Broadway. Hauptanziehungspunkt ist jedoch die Winchester Cathedral. Die Kathedrale wurde von Wilhelm dem Eroberer errichtet, der auch den Bau einer Burg in Auftrag gab.
Das alte Winchester liegt mitten im Herzen der Grafschaft Hampshire und hat in der englischen Geschichte einen ganz besonderen Stellenwert. Winchester war die Hauptstadt der frühen englischen Könige. Heute krönt sogar eine Statue von König Alfred, dem einzigen englischen König mit dem Beinamen „der Große“, den Broadway. Hauptanziehungspunkt ist jedoch die Winchester Cathedral. Die Kathedrale wurde von Wilhelm dem Eroberer errichtet, der auch den Bau einer Burg in Auftrag gab.

 In Winchester beginnt für uns aber auch eine der schönsten Motorradstrassen in Großbritannien.
Die A 272 schwingt sich in sanften Kurven durch eine hügelige Landschaft. Ab und zu durchqueren wir ein altes Städtchen, welches sich mit seinen gepflegten Gärten für einen Aufenthalt anzubieten scheint. Entlang der Straßen, die nach Canterbury führen, sehen wir häufig runde Bauten mit Spitzdach – die „Oast Houses“, Darrhäuser zum Trocknen von Hopfen. Die meisten von ihnen werden heute nicht mehr zu ihrem ursprünglichen Zweck verwendet. Noch in den 80er Jahren standen sie als unkonventionelle Ferienhäuser hoch im Kurs.

Bei Sissinghurst Castle lädt der gleichnamige Garten von Vita Sackville-West und Harold Nicholson zu einem Besuch ein. Gartenliebhaber aus ganz Europa pilgern buchstäblich zu diesem sich heute im Besitz des National Trust befindlichen Flora - und Faunaparadieses. Besonders beeindruckend sind die „Weißen Gärten“, eine Symphonie aus weiß blühenden Blumen in allen Größen und Formen. Bilder des Gartens schmücken so manchen Rosen – und Gartenmöbelkatalog. Im restaurierten Hopfenturm findet der geschichtlich Interessierte eine Ausstellung der Familie Nicholson – Sackville – West, die die Entstehung des Gartens dokumentiert.
Langsam nähern wir uns der Ostküste und damit dem letzten Highlight unserer Tour:

 Canterbury – ist die Grafschaft Kent und geistiges Zentrum des Christentums.
Canterbury – der Hauptstadt der Grafschaft Kent und geistiges Zentrum des Christentums. Die Römer nannten den Ort Durovernum Cantiacorum, nach dem hier ansässigen Stamm der Cantii, der Kent seine Namen gab. Romantisch und malerisch zugleich verzweigt sich der Fluss Stour unter zahlreichen Brücken und Stegen. An seinen Ufern liegen windschiefe Fachwerkhäuschen unter Weidenbäumen. In der Kingsmead - B&B aus dem Jahre 1620, finden wir stilgerecht eine Bleibe. Zu Fuß erkunden wir die Altstadt, deren Hauptanziehungspunkt wieder eine Kathedrale ist.
Canterbury steht im Mittelpunkt der englischen Kirchengeschichte. Die 598 n. Chr. gegründete Benediktinerabtei wurde von den damaligen Königen von Kent gefördert. Als Erzbischof Thomas Becket nach Auseinandersetzungen mit Heinrich II. von England 1170 durch königstreue Barone ermordet wurde, riss der Strom der Pilger zu seinem Grabmal in der Kathedrale nicht mehr ab.
Am nächsten Morgen rollen wir in der aufgehenden Sonne genau wie zu Beginn unserer Tour die Küstenstrasse entlang. Die weißen Kreidefelsen, die bei St. Margaret`s Cliff einen verträumten Strand freigeben, laden zu einer letzten Rast ein.
Bevor uns der Eurotunnel wieder auf die andere Seite des Meeres bringt, genießen wir unseren letzten Afternoon Tea. Uns ist klar, dass das alte England für Motorradfahrer mehr als nur die üblichen Klischees zu bieten hat.
England – wir kommen wieder !

Reiseinfos:
Anreise:
Für einen Aufenthalt in England von bis zu 6 Monaten können EU – Bürger ohne Visum mit ihrem gültigen Personalausweis einreisen. Am schnellsten und bequemsten ist der Eurotunnel von Calais nach Folkstone. In ihm benötigt man für die 50 km lange Strecke gerade 35 Minuten. Die Züge fahren alle 20 Minuten. Eine vorherige Buchung ist nicht nötig.

Klima:
Mai und Juni gelten in England als die Sonnenmonate. Es fallen die geringsten Niederschläge. Die Temperaturen liegen in der Regel bei 20 – 25 Grad, was ideal zum Motorradfahren ist.
Da jedoch auch ständig Wetterwechsel eintreten können, sollte man die Reise nicht ohne die Regenkombi im Gepäck antreten.

Währung:
Die amtliche Währung ist nach wie vor das britische Pfund. Der Euro konnte sich bislang auf der Insel noch nicht durchsetzten. Am günstigsten tauscht man bereits zu Hause, oder man benutzt vor Ort den EC –Automaten. Ein Pfund sind etwa 1,50 Euro.

Unterkunft:
Sehr beliebt und fast überall anzutreffen sind Bed & Breakfast Pensionen (B&B). In der Regel vermieten private Haushalte zwei bis drei Zimmer, so dass der Familienanschluss garantiert ist. Die Preise belaufen sich zur Zeit auf 20 – 25 Pfund inklusive den berüchtigten „full cooked Breakfast“.

Literatur:
Polyglott Südengland Euro 7,95, Merian Englands Süden 7,95 Euro

Karten:
Die besten Erfahrungen haben wir mit der Michelin Karte Nr. 504 gemacht.

Sonstiges:
Bei der Einreise müssen die Uhren um eine Stunde zurückgestellt werden. Sehr praktisch sind Reiseadapter für die Steckdosen, da sowohl die Form als auch die Spannung anders ist als zu Hause.