Das oft beschworene keltische Erbe der großartigen Moor – und Küstenlandschaft hat viele Legenden und Mythen hervorgebracht – das Übernatürliche wird hier liebevoll gepflegt. Und bestimmt weiß jeder Einheimische im Pub ausländischen Gästen seine eigene grausige Mär zu erzählen. Hier im Südwesten von England sind wir auf den Spuren des legendären König Artus und seinen Rittern der Tafelrunde. Das idyllische Dorf Cerne Abbas nördlich von Dorchester hat eine ganz besondere Sehenswürdigkeit zu bieten. Der Cerne Giant ist eine 55 Meter hohe Darstellung eines keulenschwingenden nackten Mannes.
Die Figur entstand durch Abheben der Erdschicht über dem Kalkgestein des Hügelabhanges. Bei Lyme Regis gelangen wir wieder zum Meer hinab. Dieses schöne Seebad mit seinen steilen Straßen und gepflegten Häusern hat die bedeutendste Hafenmole weit und breit aufzuweisen. „The Cobb“, dessen ältesten Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen sollen, wurde von Jane Austen in ihrem 1818 erschienenen Roman „Persuasion“ beschrieben. Wir durchqueren das sagenumwobene Dartmoor. Nebelfetzen jagen über das karge Land und verbreiten eine gespenstische Atmosphäre. Die 945 qm des am dünnsten besiedelten Gebiet Englands machen den Eindruck, als ob hier noch nie jemand gewesen sei. Zahlreiche Pisten gehen von der holprigen Strasse ins unbefestigte und rutschige Nirwana. Wir wagen den gefährlichen Offroadtripp. Unzählige vorchristliche „Standing Stones“ und Megalithen tauchen schemenhaft auf. Dartmoor war in vorgeschichtlicher Zeit nicht nur besiedelt, sondern geradezu ein Ballungsraum. Nirgends findet man so viele prähistorische Relikte. Erst in Tavistock ist es etwas freundlicher, die Zivilisation hat uns wieder. Ein heißer Cream Tea weckt unsere Lebensgeister. Padstow, ein nettes Fischerdorf am Mündungsarm des Camel, ist Etappenziel und Stützpunkt, um Cornwall in den nächsten Tagen zu erkunden.
Tintagel gehört zu den legendären Orten Südwestenglands.
Das wilde Tintagel am „Cornwall Coast Path“ gehört zu den legendären Orten Südwestenglands. Dort begegnen uns zum ersten Mal den Mythen und Sagen um König Artus und seiner Tafelrunde. Auf einem 100 Meter hohen, in das Meer hinausragenden Felsvorsprung steht eine Ruine, die der Legende nach der Geburtsort des sagenhaften Herrschers gewesen sein soll. Äußerst beschwerlich erklimmen wir die unzähligen Stufen, die uns auf die Ruine führen. Die Ausblicke sind atemberaubend. In Minions stellen wir die Enduro ab.
Zu Fuß entdecken wir drei riesige Steinkreise, die „Hurlers“ – uralte und mysteriöse religiöse Stätten mitten im Bodmin Moor. Auf einer Anhöhe im Hintergrund stehen die sogenannten „Cheesewrings“, riesige seltsam durch Erosion geformte Felsgebilde. Vom Bodmin Moor erzählt man auch gerne merkwürdige Geschichten. Die berühmteste handelt von dem Frauenarm, der im Dozmary Pool südlich von Bolventor aus dem Wasser aufgetaucht sein soll, um nach König Artus` letzter Schlacht sein Schwert Excalibur entgegenzunehmen. Wir machen uns deshalb auf die Suche nach dem mystischen Nass. Eine holprige Piste zweigt in einer Kurve unvermittelt ab. Wir folgen ihr bis zu einem alten Bauernhof an einem Seeufer. Ob dies das berühmte Gewässer ist ? Ein junger Mann, der auf dem angrenzenden Hof arbeitet, klärt uns auf. Voller Stolz erzählt er, dass dieser See, in dem Excalibur der Sage nach verschwand, ihm gehöre. Ebenfalls berichtet er, wie Leute aus Hollywood dort gewesen seien, um die Szenerie für Filme über König Artus zu studieren.
Allmählich nähern wir uns dem Highlight unserer Cornwallreise.
Es ist der westlichste Punkt Englands. Dann endlich stehen wir am Land´s End. Phantastische Felsformationen leuchten in den verschiedensten Farbennuancen in der tiefstehenden Sonne. Von dem ausgefransten Vorgebirge reicht die Sicht zu den 55 Kilometern entfernten Isles of Scilly. Uns zieht es auf dem „Atlantik Highway“ nordwärts. Kurz hinter dem Bristol Channel zweigen wir nach Clovelly ab. Da die Straßen des mittelalterlichen Dörfchens so eng und steil sind, müssen wir die Enduro außerhalb parken. Beim Bummeln durch die schmalen Gassen fällt uns auf, dass die Bewohner per Holzschlitten versorgt werden. Ein Fahrzeug müsste vor der extremen Steigung kapitulieren. Von Lynmouth aus erkunden wir das wildromantische Exmoor. Hinter Porlock geht es dann landeinwärts durch die mit Farnen und Heidekraut bedeckte Hügellandschaft. In der Nähe von Dulverton endet die Strasse urplötzlich an einem Fluß. Tatsächlich muss man, um das andere Ufer zu erreichen, 50 Meter durch den knietiefen Strom fahren. Als wir uns die Stelle genauer ansehen , bemerken wir eine urzeitliche Brücke aus riesigen Steinplatten, die „Tarr Steps“ genannt wird. Dann wagen wir die Wasserdurchfahrt. Zischend durchschneiden die heißen Zylinder das klare und kalte Wasser. Nass aber glücklich erreichen wir das andere Ufer.
König Artus begegnet uns wieder in Glastonbury.
Angeblich hätten Mönche, nachdem die Abbey im Jahre 1184 abgebrannt war, das Grab Artus` und seiner Gemahlin Guinevere gefunden. Noch interessanter sind die Überlieferungen zu Glastonbury Tor. Auf dem schon von weitem sichtbaren Kegelberg natürlichen Ursprungs soll der „heilige Gral“ vergraben sein, erzählt die Legende. Elf Meilen südlich von Glastonbury müssen wir uns regelrecht an den Königsitz Artus` heranpirschen. Im Dorf entdeckt man hinter der Kirche das Schild „Castle Lane leading to Camelot Fort“, das auf einen aufsteigenden Weg zwischen Bäumen hinweist.
Oben angekommen, eröffnet sich eine begrünte Fläche von mehreren Hektar, umgeben von einem 1200 Meter langen Erdwall. Der Legende zufolge schläft der „einstige und zukünftige König“ unter einem Hügel und erwacht nur alle sieben Jahre einmal in der Johannisnacht. In Winchester geht unsere Reise langsam dem Ende zu. Und dort finden wir ein letztes Relikt aus der Zeit um König Artus. In der „Great Hall“ hängt der sagenumwobene runde Tisch, um den sich der König mit seinen 24 Rittern versammelt haben soll. Auf der Rückfahrt nach Folkestone denken wir noch mal über König Artus nach. Ob sich alles so zugetragen hat, wie es uns die Geschichten berichten, oder ob es nur Legenden sind – wir wissen es nicht. Aber wir sind uns sicher, dass die Naturschönheiten dieser rauhen Landschaft mit seinen einsamen Wegen jeden Besucher von sich gefangen nehmen.
Reise Infos Cornwall
Anreise: Am besten und schnellsten mit dem Euroshuttle von Calais nach Folkestone und dann entlang der Kanalküste nach Cornwall.
Reisezeit: Von Mai bis September sind Touren empfehlenswert. Statistisch fällt im Juni der wenigste Regen.
Essen: Wer nicht den ganzen Urlaub Fish & Chips mag, findet in den zahlreichen chinesischen und indischen Takeaways Abwechslung.
Literatur: Dumont: Richtig Reisen – Südengland, Marco Polo Südengland
Karten: RV, Euro – Regionalkarte Großbritannien 2, England Südwest/Wales, 1:300000