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Editorial


 Befallen vom GS Bazillus – (m)eine kleine GS Geschichte
Es war einmal das Jahr 1984. Auf einer BMW Motorradausstellung in Maxdorf stand ein riesiges, strahlend weißes Motorrad mit einem megagroßen Tank. Um das Motorrad hüpfte ein kleiner Mann, ein gewisser Gaston R., der den Lenker dieses Monsters auf Augenhöhe hatte. Mit einem leicht unverständlichen Dialekt sagte er mehrmals zu mir „BMW gut, BMW gut !“ Dieser Rasezwerg hatte gerade einige Wochen vorher mit dieser GS die härteste Rallye der Welt, die Paris – Dakar gewonnen.
Ich dachte damals, dass der Typ wohl verrückt sein muss mit dem Ding zu fahren. Irgendwie wirkte die Größe der Maschine doch etwas abschreckend auf mich.
Meine eigene Motorradkarriere begann deshalb ganz brav auf einer biederen blauen BMW R45 mit 27 PS. Für mich war die Leistung der Maschine ausreichend, stieg ich doch damals von einem getunten Enduromofa auf den Babyboxer um.
Knapp 2 Jahre später stand eine R 80 RT in rotmetallic in meiner Garage. Mit dem vollverkleideten Tourer durchstreifte ich Europa in 5 Jahren und legte dabei mehr als 100.000 Kilometer zurück.
Im Sommer war das Fahren fast unerträglich wegen des Hitzestaues hinter der Verkleidung und ein Kipphebelabriss bei 12.000 Kilometer trübten doch etwas die Freude am Fahren.

 Erste GS 1991
Im Jahre 1991 erschien von BMW die überarbeitete R 100 GS mit der Paraleverschwinge. Diese GS musste es nun sein. In einer Ausgabe der Zeitschrift Motorrad sah ich kurz vorher einen Bericht über Peter Hinterreiter aus Österreich. Da mir seine K100 RS Halbschale an der GS super gefiel, bestellte ich diese auch gleich dazu. Die Firma Handrich & Mayer baute außerdem noch ein Öhlinsfederbein sowie noch weitere Goodies ein. Für das Motorrad bezahlte ich damals 21.000 DM, was für eine GS eine stolze Summe war.

Bis 1998 legte ich mit der lila Kuh weitere 100.000 Kilometer quer durch Europa zurück, bevor auch sie in Rente ging.
Die schönsten Touren mit der Hinterreiter GS waren dabei die Pyrenäendurchquerung, die Pusztafahrt, die Touren durch Wales sowie auf den Spuren von König Artus in Cornwall. Mit diesen Reisen begann auch gleichzeitig meine Karriere als freier Mitarbeiter mehrerer Motorradzeitschriften.
Der Tourenfahrer und Motorrad News veröffentlichten gerne meine ersten Reisereportagen. Auf allen Reisen ließ mich die R 100 GS dabei niemals im Stich.

 Die Ur R 80 G/S ab 1995
1995 packte mich, inspiriert durch die gelegentlichen Offroadabstecher auf meinen Reisen, die Idee einer etwas geländetauglicheren GS. Also kaufte ich mir eine gebrauchte R 80 G/S. Nach dem Zerlegen baute die Firma GMR die G/S neu auf. Vollgetankt wog sie nur 195 kg und war in auffälligem verkehrsrot und weiß lackiert.! Highlights an diesem Motorrad waren der gutgehende Motor mit der Fallert Bergnockenwelle und der Gletterauspuff mit dem satten Sound. Der Auspuff war so kernig, dass ich sogar Hofverbot bei meinem BMW Händler bekam, um die anderen Kunden nicht zu vergraulen.
Das Motorrad wurde sogar deutschlandweit bekannt. Beim Blättern in einem GS Buch fand ich ein Foto von ihr vor – ein Redakteur hatte sie bei einem GS Treffen in Speyer abgelichtet.
Richtig kernige Offroadtouren wurden mit der R 80 G/S unternommen. So durchquerte ich die Pyrenäen vom Mittelmeer bis zum Atlantik und das nördliche Italien war auch nicht vor ihr sicher. Auf kleinen kurvenreichen Schottersträßchen bissen sich die Sportenduros an ihr die Zähne aus.

 Die R 1150 GS Adventure oder GS = groß und schwer
1998 ging die R 100 GS in Rente. Aus Bequemlichkeit legte ich mir eine R 1100 RT zu. Der Komfort war zwar einmalig, aber das Motorrad lief kaum besser als die R100 GS. Absolut nervig war das extreme Konstantfahrruckeln.
Auf der Rückreise von Schottland 2001 sah ich dann während des Wartens auf den Euroshuttle in einem englischen Motorradmagazin ein Foto der neuen R 1150 GS Adventure. Mir war klar – die musste ich haben. Noch am gleichen Abend nach der Rückkehr in die Pfalz bestellte ich die ADV bei Theo Kramer in Strücklingen.

Im Frühjahr 2002 war es dann soweit. Da stand sie und ich sah daneben aus wie ein Zwerg. Die Sitzhöhe betrug 90 cm und das Gewicht lag vollgetankt bei fast 310 kg !
Das Fahren war aber offroad mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Vollbepackt mussten Wendemanöver mindestens mit 2 Personen durchgeführt werden und kippen durfte die Fuhre auch nicht.
Die Touren über die abgelegenen Hebriden und durch England waren trotzdem der reinste Genuss und so traumhaft, dass wieder der Tourenfahrer, Motorrad News und auch Enduro diese abdruckten.

 Die ultimative GS – die HPN Rallyesport
Bei einem Besuch in Seibersdorf im Sommer 2003 kam die endgültige Wende. Die ausgiebige Probefahrt bei Herrn Pepperl und Herrn Halbfeld überzeugte mich von den Vorzügen einer HPN. Das Moto hieß fortan: „Back to the roots !“
Ich gedachte meiner guten alten R 100 GS die ich noch hatte und machte auch gleich Pläne. Nach dem Zerlegen baute HPN die GS neu auf und im Mai 2004 war es soweit. Die HPN Rallyesport mit der Rahmennummer 550 war mein!
Dieses Motorrad besitzt nun wirklich alles, was ich mir während meiner Motorradkarriere immer wünschte. Ausreichend Leistung aus dem Keller (70 PS, 1040ccm, Doppelzündung und 320er HPN Nockenwelle), geringes Gewicht (leer 200kg), große Reichweite (43 Liter Tank), günstiger Verbrauch (im Schnitt 5,5 Liter) tolle Optik (Geschmacksache – aber klassisch) und die Gewissheit etwas außergewöhnliches zu besitzen.

 Baja - die leichte HPN
Wie hoffentlich allen BMW GS Fahrern bekannt ist, veranstalte ich seit 2003 einmal im Jahr die berüchtigte Pfälzer GS Offroadtour. Nach dem Erfolg 2003 erkundete ich im August 2004 nochmals einige anspruchsvolle Trails für den bevorstehenden Event. Dabei stieg ich jedoch etwas unkonventionell über den Lenker der R 80 G/S ab. Gabel, Tank und Cockpitverkleidung wurden dabei stark in Mitleidenschaft gezogen, das heisst, die G/S war nicht mehr fahrbeit. Doch was nun - was tun?
Für weitere harte Offroadabenteuer musste die G/S jetzt gründlich verbessert werden. Also wieder Zerlegen und Richtung Seibersdorf. Ende November ging nun es wieder in das abgelegene Seibersdorf um die G/S abzugeben und letzte Details zu besprechen.
Am 1.7.2005 war es nach 7-monatiger Bauzeit endlich soweit. Ich konnte endlich meine HPN Baja abholen. Highlight dieser Enduro ist der verstärkte HPN Rahmen mit der um 100 mm verlängerten Einarmschwinge. Zusammen mit dem kleinen Tank, dem leichten Cockpit und weiterer Leichtbauteile hat sie ein Gewicht von 200 kg vollgetankt. Der Motor hat 1000 ccm, eine Fallert Bergnocke, Doppelzündung sowie Magnesiumventildeckel. Die auffällige original Marlboro Lackierung macht diese Leicht GS zum echten Eyecatcher. Der offene Gletter Endtopf an der schwarz beschichteten Abgasanlage unterstreicht auch akustisch den Auftritt. Auf dem anschließenden BMW Bikermeeting in Garmisch 2005 wurde das Motorrad von den GS Fans belagert. Sogar Dakarlegende Jimmy Lewis war begeistert und inspizierte die HPN Baja genauestens. Damit können die GS Abenteuer dann auch hoffentlich weitergehen.
Und das alles wegen dem kleinen Herrn Gaston R.!


weißblaue GS Grüsse
euer Roki